Diagnose: Depression – Wie es mich aus der Bahn geworfen hat und was ich gemacht habe

Jul 6, 2022 | Privat | 2 Kommentare

Mitte 2021 wurde bei mir eine Depression diagnostiziert. Nehmt die Zeichen schnell war, dann ist eine schnelle Hilfe möglich! Es ist das erste Mal, dass ich öffentlich darüber schreibe und die breite Öffentlichkeit erfährt, was bei mir in den letzten Monaten los war. 

Kurz ein paar Worte zu mir und wie es begonnen hat. 

Herbst 2020 – schleichend ging es los

Alles begann schleichend im Herbst 2020. Die ständigen Änderungen bei den Einschränkungen, welche Regelungen gelten nun, was darf man ab welchem Tag und was nicht mehr. Es war allgegenwärtig und überall anders. Jeder hatte die Einschränkungen selbst anders erlebt. Doch in mir selbst war es kalt und dunkel. Seit Herbst 2020 war es eine Gefühl von Ohnmacht, welches über Wochen und Monate anhielt. 

Ich arbeite zu diesem Zeitpunkt noch bei einem Mobilfunkdienstleister, bei dem ich tagtäglich im Ladengeschäft vor Ort war. Ich war gerne dort, ich habe meine Arbeit wirklich gerne gemacht. Es hatte mir Spaß gemacht, sehr sogar. Doch es überforderte mich schleichend. Jeden Tag etwas mehr „fertig“ am Abend, als am Tag davor. Besonders hart war es über Weihnachten. Ich war restlos überfordert. Mit der Situation, mit der Lage – mit allem. Ich wollte niemanden sehen und niemanden hören. Ganz zum Leiden meiner Familie, Freunde und ganz besonders meiner Freundin und baldigen Frau.

Ich merkte etwas stimmte nicht, aber wusste nicht wie ich mir helfen konnte. Ich griff vermehrt zum Feierabend-Bierchen, nahm mir viel mehr Zeit für mich, als ich es von mir kannte. Ich wollte allein sein.  Ich war Antriebslos und es hat mir nichts mehr Freude bereitet.

Ich nahm mir wochenlange Auszeiten vom Beruf, klärte ärztlich ab, was es sein konnte und die ADA-App (Dazu gleich mehr) zeigte eindeutig auf Depression. Nach langen hin und her entschied ich mich, doch mit meinem Arzt zu sprechen und eine Depression als Möglichkeit zuzulassen. 

Ist das auch bei dir der Fall? Dann solltest du jetzt genau lesen. 


Tipp: ADA-App herunterladen und bei körperlichen oder geistigen Unklarheiten Schnelldiagnose machen

In der ADA-App (gibts für iOS und Android) gibst du deine „Probleme“ z.B. Antriebslosigkeit ein. Dann stellt dir die App einige Fragen dazu, wie lange du es schon hast, was dazu geführt haben kann oder einige Dinge, welche dir ein Arzt in ähnlicher Form stellen könnte. Die Gesundheitsdaten bleiben erstmal auf deinem Smartphone, bis du zum Schluss einer Übermittelung in anonymisierter Form zustimmst und das Ergebnis in Form von Wahrscheinlichkeiten angezeigt bekommst.

Bei mir waren 8 von 10 Nutzern mit ähnlichen Symptomen mit einer Depression betroffen. Das hat erstmal gesessen. Rums! 

Keine Werbung. Persönliche Empfehlung, um Unklarheiten schnell abzuklären. Ersetzt jedoch keinen Arztbesuch und bitte macht euch nicht verrückt, so eine App kann nur eine grobe Einschätzung geben. 

Frühjahr 2021 – Depression wurde attestiert 

Als dieses Gefühl von Ohnmacht, Kraftlosigkeit und Antriebslosigkeit über Wochen und Monate nicht besser geworden ist, nahm ich erst pflanzliche Medikamente. Johanneskraut-Kapseln aus dem Drogeriemarkt. Diese haben mich für einige Stunden auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich war wieder leistungsfähig – doch nur für einige Stunden.

Dann kam der Schock: Der Hausarzt hatte dann die Depression attestiert und empfahl eine Psychotherapie. 


TV-Doku Hinweis: Das Jenke-Experiment „Wie depressiv ist Deutschland“

Wer die Jenke-Doku: „Wie depressiv ist Deutschland?“ auf ProSieben gesehen hat, weiß ungefähr, wie lange es dauert bis man einen Therapie-Platz bekomm. Im Schnitt sind es 6 Monate, in Ausnahmefällen kann es auch bis zu 2 Jahre bis zur ersten Therapie-Sitzung dauern. Nicht gerade toll. 


Pyschotherapie hat einen total schlechten Ruf … völlig zu Unrecht! Geh hin!

Fast jeder, nimmt so eine Situation nicht ernst genug und geht nicht zu einem Psychotherapeuten. Gerade weil sie so einen schlechten Ruf haben. Jeder denkt, man hat richtig einen an der Waffel. Im Gegenteil! 

Es tut richtig gut, mal den ganzen Frust von der Seele zu sprechen und mit einer gezielten Fragetechnik den richtigen Weg einzulenken, um daraus zu lernen und in Zukunft zu verändern. 

Mittlerweile bin ich Stolz darauf, dass ich es innerhalb kürzester Zeit geschafft habe, die Lage zu erkennen, mich zu überwinden, einen Arzt zu konsultieren und einen Therapie anzufangen. 


Doch was macht ein Psychologe eigentlich und was hat er mir gebracht? 

Er hat mir einfache Fragen gestellt, was dazu führt oder dazu geführt hat. Schnell (nach der zweiten Sitzung) wurde klar: Das Problem wurde identifiziert – bei mir lag es an der Arbeit im Handel an sich.  Eine Arbeit, die ich gerne gemacht habe, nun aber auf absehbarer Zeit nicht mehr machen kann oder sollte. 

Nach einigen Gesprächen mit meinem damaligen Arbeitgeber entschied ich mich, meinen Arbeitgeber zu verlassen, bei dem ich einige Jahre gerne beschäftigt war. Besonders das „Aussprechen“, dass die Arbeitsstelle an der Depression beteiligt war, war auch für mich sehr hart und nicht einfach. Ich habe gekündigt und um Aufhebung meines Arbeitsvertrages gebeten – aus gesundheitlichen Gründen. Im Nachgang war es das beste, was ich hätte tun können. 

Besonders schlimm: Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade in meinem wohlverdienten Sommerurlaub auf einem Kreuzfahrtschiff und für mein Side-Business Cruisify.de im Süden Schwedens unterwegs. Ich konnte mich im Nachgang bei meinem damaligen Arbeitgeber nicht wirklich bedanken, für die tolle und lange Zeit, für die einfache Abwicklung – ich wollte einfach nochmals auf diesem Wege Danke sagen.

Es kann immer vorkommen, dass euch Rückschläge drohen, euch eventuell Arbeitgeber wegen eurer Offenheit Steine in den Weg legen. Sprecht hier in den kommenden Wochen und Monaten offen mit euren Therapeuten darüber. Er wird euch helfen, diese schwierige Situation zu meistern. 


Nach der wochenlangen Auszeit kam der Fokus wieder – gestochen scharf! 

Ich habe auch einige Zeit gebraucht, um wieder aus diesem Loch rauszukommen. Doch es hatte auch gute Seiten. Mein Therapeut begleitete mich ständig (regelmäßige Termine), gab mir richtige Denkansätze und half mir aus dieser schweren Lage raus. Ich konnte nach einigen Wochen und auch einigen Medikamenten wieder wirkliche Freude empfinden, vielleicht auch weil wir bald Nachwuchs erwarten.. Freu!

Seit Januar 2022 beschäftige ich mich intensiv mit meinen Blogs dennisvitt.de und cruisify.de und werde diese Stück für Stück ausbauen. Ich habe mir über die letzten Monate Fortbildungen im Bereich (Social Media) Marketing reingezogen, um mich mehr und mehr fortzubilden. Es sind viele Puzzleteile, die jetzt über die kommenden Monate zu einem großen Teil werden. 


1,5 Jahre Depression, so schnell „erholt“ – weil ich schnell gehandelt habe

Vom Beginn der schleichenden Entwicklung der Depression bis hin zum Therapieende sind gut 18 Monate vergangen. Ich habe zu Beginn die Anzeichen schnell erkannt – auch weil im Bekanntenkreis – bereits einige Personen unter Depressionen gelitten haben  und mir wertvolle Tipps und Ratschläge gegeben haben. Man muss sowas auch als Option zulassen, die Zeichen erkennen und zulassen. Ich kann dir nur empfehlen, sprich offen drüber, wie du fühlst. Auch mit deinem Arzt oder check das mal vorab z.b. mit der ADA-App. Wie gesagt, die App kann Zeichen erkennen, ersetzt aber kein Arztbesuch oder ein offenes Gespräch mit einem Psychologen.

Hast du ähnliche Dinge an dir entdeckt, bist du auch von einem Stimmungstief betroffen oder hast du Änderungen bei dir selbst bemerkt? Dann höre auf deinen Körper und lass dich checken. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. 

2 Kommentare

  1. Dennis, alter Freund,

    Ich weiß nicht, ob man in deiner Situation steife Ohren wünscht oder nur die Daumen drückt. Ich freue mich aber, dass es dir besser geht. Wie du weißt, bin ich froh, dass es bei mir nicht so weit ging:

    https://www.henning-uhle.eu/allgemein/burnout-die-unterschaetzte-krankheit

    Schaff dir Quality Time. Das klingt immer so einfach und lapidar. Aber mir hat das wirklich geholfen.

    Ich drücke dir alle Daumen, dass es gut weitergeht.

    Antworten
    • Hey Henning, Danke dir für deine Worte. Ich werde das beherzigen und umsetzen 🙂

      Antworten

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Dennis Vitt

Dennis Vitt

Moin! Ich bin der Kopf hinter dem ganzen hier.

Seit 2012 blogge ich auf diversen Seiten

  • Auf DennisVitt.de über Produktivität, Selbstmanagement und NAS-Systeme.
  • Auf Cruisify.de über Kreuzfahrten.
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